Der Nickel Eisen Akkumulator – Wunsch und Wahrheit

Ist der Nickel Eisen  Akku so gut wie er überall beschrieben wird?

Obwohl der Nickel Eisen Akku ein stilles, fast unscheinbares Dasein fristet, widmen sich in letzter Zeit doch einige Webseiten diesem Akkutyp. Für uns als ZukunftsWerkstatt Verkehr ist das doppelt interessant, weil wir uns Ende 2012 entschlossen haben genau diesen Akku zu importieren und einer kleinen Gruppe von Menschen, die sich für Nickel Eisen Akkus interessieren, zu ermöglichen, diesen, käuflich zu erwerben.
Daher will ich wissen, ob der NiFe-Akku wirklich so gut, umweltfreundlich und langlebig ist wie allgemein behauptet wird.
Ich habe in der Zwischenzeit sowohl von den Herstellern der Akkus, der Firma Kursk Akkumulatoren aus Russland, Meinungen und Daten von Changhong Batteries aus China und auch von verschiedenen Leuten, die sich in unsere Interessentenliste zum NiFe-Akku-Kauf auf der Website „solux.pro“ eingetragen haben, einiges über diesen Akkutyp erfahren.
Zu Beginn möchte ich vielleicht noch einmal kurz die gängigen Pro und Kontra der Nickel Eisen Akkus auflisten.

NiFe-Akku

Nickel Eisen 12V-Block Akkumulator

Vorteile des NiFe-Akkus:
sehr robust gegen Tiefentladung und Überladung
sehr hohe Lebensdauer, 20-100 Jahre und mehr
großer nutzbarer Betriebstemperaturbereich
unempfindlich gegen Vibrationen
guter Wirkungsgrad

Nachteile des NiFe-Akkus:
hohes Gewicht
sehr schlechte Verfügbarkeit (weltweit nur 2 Erzeuger !!)
geringe Zellenspannung (nur 1,2V)
Akku kann beim Laden gasen (Knallgasexplosion), gute Lüftung notwendig

Das ist einmal die allgemeine Meinung zu NiFe-Akkus.

Aber halten diese Argumente auch genauerer Betrachtung und Überprüfung stand?

Es ist eine Tatsache, dass sich etliche Menschen für den Nickel Eisen Akku interessieren, gerade jetzt, da das Thema Stromspeicherung von Photovoltaikstrom in Batterien- und Akkubänken, Insellösungen für Häuser und Backup-Systeme für Stromausfall und Nachtbetrieb immer mehr an Wichtigkeit gewinnen. Eine andere Tatsache ist, dass es nur 2 Hersteller von Nickel Eisen Akkus weltweit gibt, soweit wir in Erfahrung bringen konnten.
Der eine ist in China, Changhong Batteries, liefert in die USA und auch in minimaler Stückzahl nach Europa. Der andere ist eben die Firma Kursk Akkumulatoren aus Russland. Sie beliefern in erster Linie die Russische Föderation. Auch hier gelangen gelegentlich ein paar Akkus nach Europa.

Obwohl die NiFe-Akkus bei beiden Herstellen in eigentlich den gleichen länglich hohen Kunststoff-Gefäßen stecken, gibt es scheinbar bei Kapazität, Gewicht und Größe Unterschiede.

Beispiel 1:
Fa. Beutilityfree, USA (verkauft Changhong Akkus, China)
Akku: Typ 7012
Kapazität: 300 Ah bei 5-stündiger Entladung
Nennspannung: 1,2V
Abmessungen L, B, H: 138 x 276 x 490 mm
Gewicht inkl. Elektrolyt: 25 kg,
(Preis 2010: 302 US-Dollar pro Zelle mit Elektrolyt zum selbst Anrühren)

Beispiel 2:
Fa. Akkumulatorenfabrik Kursk
Akku: Kursk 300M-Y2
Kapazität: 300 Ah bei 5-stündiger Entladung
Nennspannung: 1,2V
Abmessungen L, B, H: 132 x 169 x 400mm
Gewicht inkl. Elektrolyt: 16,0kg
(Preis 2013: 164 Euro pro Zelle ohne Elektrolyt)

Sehr interessant: der Akku mit der gleichen Kapazität ist bei Changhong viel größer und schwerer als bei Kursk und das bei nur geringfügig mehr Elektrolyt (6,1 Liter statt 5,5 bei Kursk). Worauf deutet das hin? Die Nickel- und Eisenplatten beim chinesischen NiFe-Akku sind demnach größer und schwerer. Auf jedem Fall muss meiner Ansicht nach der Changhong-Akku länger halten als der russische. Wie gesagt, Langzeitdaten sind keine verfügbar.

Langlebigkeit von NiFe-Akkus

Der NiFe-Akkus soll unempfindlich gegen Tiefentladung, aber auch gegen Überladung sein. Daher wird ihm auch ein Akkuleben von mehreren Jahrzehnten nachgesagt.
Interessanterweise gibt es zB. von der Firma Changhong eine Grafik, in der die Lebensdauer von NiFe-Akkus in Abhängigkeit von der Entladetiefe (DoD)  angegeben wird. Aber auch Kursk schreibt, dass ihr Akku im Antriebsmodus (Einsatz im Bergwerks-Fahrzeug = hohe Entladetiefe, DoD >80%) nicht weniger als 1000 Zyklen hält. Wie passt das zum NiFe-Akku? Und was passiert, wenn der Nickel Eisen Akkumulator sein „Lebensende“ erreicht hat? Ist der Akku dann wirklich kaputt, oder ist lediglich der Elektrolyt zu tauschen? Wir konnten diese Fragen noch nicht eindeutig klären. Sollte er wirklich unbrauchbar geworden sein, was ich vermute, dann würde der NiFe-Akku nicht viel länger halten, als ein guter Röhrchenplatten-Bleiakku, aber zu einem seiner Leistung nach völlig überzogenem Preis. Abgesehen von dem höheren Pflegeaufwand, den man beim NiFe-Akku betreiben muss.

Tatsache ist, dass es viele verschiedene Geschichten über NiFe-Akkus gibt, die Jahrzehnte (teilweise 60-70 Jahre!) lang irgendwo vergraben waren, gefunden wurden, mit frischem Elektrolyten aufgefüllt wieder ihre volle Kapazität erlangt haben. Das sind und waren meistens Akkus aus der Zeit vor und während des 2. Weltkriegs, in der die NiFe-Akkus in großer Stückzahl für alle erdenklichen, vornehmlich militärischen Aufgaben eingesetzt wurden. Ich bin überzeugt, dass diese Geschichten alle stimmen, aber dies belegt leider nicht die Haltbarkeit von bis zu 100 Jahren, die dem NiFe-Akkus nachgesagt werden. Denn diese Akkus waren ja nur ein paar Jahre im Einsatz und wurden dann „stillgelegt“. Auch das berühmte Elektroauto aus Amerika (Electric Baker), das schon seit über 100 Jahren mit dem ersten NiFe-Akkusatz unterwegs ist (sein soll) belegt die Langlebigkeit der NiFe-Akkus in keiner Weise. Auch hier wird das Auto nur gelegentlich und noch dazu, weil es schon sehr alt ist, sehr moderat eingesetzt (es wird in Zeitlupe bewegt, weil es nicht schneller geht!). Bei Nichtgebrauch ist der NiFe-Akku wirklich robust und nimmt kaum Schaden.
Wenn sie einen 48V-NiFe-Akkusatz in ihrem Haus als Photovoltaik-Speicherbank im Einsatz haben, der jeden Tag geladen und entladen wird, dann stelle ich mir die berechtigte Frage, wie lange hält dieser Akkusatz wirklich. Es gibt offenbar keine belegbaren Langzeiterfahrungen von NiFe-Akkus aus den letzten 30 Jahren, weder vom russischen noch vom chinesischen NiFe-Akku. Das gibt zu denken!

Eine andere Tatsache ist, dass der NiFe-Akku als korrosionsanfällig gilt. Früher, als die unglaubliche Haltbarkeit des NiFe-Akkus propagiert wurde, war noch kein Lithiumhydroxid als Antigasungszusatz im Elektrolyten. Es hat sich bei den vielen Äußerungen und Diskussionen um diesen Akku herausgestellt, dass gerade dieser Zusatz, weil er sehr ätzend ist, für die Lebensdauer eher ein Bremser ist. Unter Umständen ist die weit weniger ätzende Kalilauge, der Haupfbestandteil des Elektrolyten, für die lange Lebensdauer des NiFe-Akkus verantwortlich. Das würde auch die Lebensdauerdiagramme von Changhong und Kursk erklären. Trockene NiFe-Akkus halten praktisch ewig, Lithiumhydroxid steigert zwar die Leistungsfähigkeit des Akkus, setzt aber auch die Lebensdauer herab (Korrosion!!!). Das heißt, die Platten lösen sich auf und die nutzbare Oberfläche wird kleiner und somit auch die Kapazität.
Das ist nicht bewiesen, klingt aber absolut logisch!

Ich will an dieser Stelle noch erwähnen, dass Kursk für seine Akkus eine wöchentliche Kontrolle des Elektrolytstandes und eine 1/4 jährliche Überprüfung des Zustandes der Kalilauge vorschreibt. Zusammen mit dem Nachfüllen von destilliertem Wasser bei 40 Zellen!!! und einem Elektrolytwechsel alle 5-15 Jahre (keiner weiß es genau!) ist der Pflegeaufwand dann doch beachtlich! Das darf man nicht verschweigen, denn das wird fast nie dazu gesagt, wenn man vom Nickel Eisen Akku schwärmt!
Wenn NiFe-Akkus in zB. russischen Bergwerken als Antriebsbatterien für Stollenschlepper eingesetzt werden, wer weiß ob diese nicht nach 3-5 Jahren, wenn ihre Leistung auf Grund von tiefer täglicher Entladung und Überschreitung der garantierten Zyklenzahl einfach ausgetauscht werden. Und warum gibt es darüber keine Erfahrungsberichte?

Wahre Kosten des NiFe-Akkus

Was kosten nun Nickel Eisen Akkus wirklich. Sie stehen im Ruf teurer zu sein als andere, vergleichbare Akkus, wie der Bleiakku.
Als Ausgangsbasis nehme ich eine 12V-Akkubank an. Bei der ZukunftsWerkstatt Verkehr kostet die Einzelzelle mit 1,2V Nennspannung und 300Ah (5-stündige Entladung) inkl. Ust 164 Euro. Das ist kein Dumpingpreis für NiFe-Akkus, aber auch nicht der teuerste Akkupreis für diese Größe.
Eine 12V Bank kostet demnach 1640 Euro. Doch damit ist es nicht genug, denn der Akku ist trocken, ohne Elektrolyt. So wie er von der Firma Kursk ausgeliefert wird.
Der Elektrolyt besteht laut Herstellerangabe aus 20%iger Kalilauge (Kaliumhydroxid) und Lithiumhydroxid (20g pro Liter). Wenn man im Chemiegroßhandel nach diesen Stoffen fragt, bekommt man verschiedenste Reinheiten angeboten, aber nicht genau das, was man benötigt. Das heißt, man muss sich den Elektrolyt und das richtige Verhältnis selbst zusammen mischen, was für den Laien oft gar nicht so einfach ist, für manche fast schon unmöglich. Abgesehen davon, bekommt man als Privatperson sehr oft im Großhandel die gewünschten Stoffe nicht zu kaufen. Aber kommen wir zum eigentlichen Preis zurück.

Ich habe grob über den Daumen abgeschätzt, was der Elektrolyt kosten würde. Bei einer 12V-Bank kommt die 20%ige Kalilauge und destilliertes Wasser auf ungefähr 100 Euro, aber das Lithiumhydroxid (ca. 1kg) kommt auf etwa 200 Euro. In Summe kommen zu den 1640 Euro noch ca. 300 Euro für den Elektrolyt. Das macht 1940 Euro, also knappe 2000 Euro für 12V!
Eine 48V-Akkubank (40 Zellen, realistische Annahme) kostet dann ungefähr 8000 Euro.
Ein Elektrolytwechsel derselben würde demnach reine Materialkosten von ca. 1200 Euro und ca. 120 Euro Entsorgung verursachen.

Die Zyklenfestigkeit als Basis zum Vergleich verschiedener Akkutypen.
NiFe-Akkus sind bei 100% Entladung (bei 20 Grad) bis zu 1000 Zyklen brauchbar (Quelle: Changhong und Kursk!), bei nur 20% Entladung sind es aber über 8000 Zyklen laut Tabelle (Quelle: Changhong). 30% Entladung wären daher ca. 6000 Zyklen, die wir als Vergleichsreferenz hergenommen haben. Der Anstoß hierzu ist übrigens von einem sehr praktisch denkenden NiFe-Akku-Interessiertem aus unserer Liste gekommen.

Ich habe daher diese Vergleichsmethode aufgenommen und verschiedene Akkus im Preis gegenüber gestellt. Urteilen sie selbst!
(Akkubänke haben alle 48V, Basis der Vergleiche ist eine Zyklenanzahl von 6000 oder weniger und alle Preise sind Netto, ohne Umsatzsteuer, DoD ist die Entladetiefe)

1) Nickel Eisen Akku (unser Verkauf)
40 x Kursk 300 Ah Zelle @ 1,2 V = 14400 Wh
DoD 30% = 4320 Wh (6000 Zyk)
Kosten = € 6427 (ohne USt, inkl. Elektrolyt)
€/Wh = 1,49

2) Lithium Eisen Yttrium Phosphat Akku
15 x 160 Ah Zelle @ 3,2 V = 7680 Wh
DoD 60% = 4608 Wh (6000 Zyk)
Kosten = € 2836 (ohne USt)
€/Wh = 0,62
(Anmerkung: der LiFeYPo4-Akku kann kleiner ausfallen, weil er bei gleicher Zyklenfestigkeit eine größere Entladetiefe erlaubt)

3) Bleiakku 1
4 x TOYO AGM HD 12V 300Ah = 14400 Wh
DoD 30% = 4320 Wh (4000 Zyk)
Kosten = € 2500 (ohne USt)
€/Wh = 0,57

4) Bleiakku 2
24 x Hoppecke OPzS Akku 2V, 300 Ah = 14400 Wh
Blei-Röhrchenplatten-Akku, flü. Elektrolyt, Umwälzsyst.
DoD 30% = 4320 Wh (4000 Zyk)
DoD 80% = 11520 Wh (1500 Zyk)
Kosten = € 4032 (ohne USt)
€/Wh = 0,93

Dieser Vergleich fällt also eindeutig für den Lithium-Akku aus. Man könnte sicher einen noch etwas größeren LiFeYPo4-Akku kaufen und wäre dann noch immer sehr günstig unterwegs, da sich die Zyklenanzahl (=Haltbarkeit) weiter erhöhen würde.

Wie umweltfreudlich ist der NiFe-Akkus

Wenn man sich die Bestandteile eines Nickel Eisen Akkus anschaut, wird man feststellen, dass diese wesentlich ungefährlicher und umweltfreundlicher sind als von vielen anderen Akkus. Daher wird man auch verleitet zu behaupten, dass der NiFe-Akku zu den naturverträglichsten Akkumulatorentypen gehört, noch dazu, wenn man seine Langlebigkeit dazurechnet. Über die Lebensdauer habe ich schon geschrieben, aber wie sieht es mit der Umweltverträglichkeit aus? Die Elektroden Nickel und Eisen sind auf jeden Fall neutral, beziehungsweise sie stellen selbst nach Lebensende des NiFe-Akkus eine Rohstoffquelle dar. Die Kalilauge (auch als Ätzlauge bezeichnet) ist nur leicht ätzend und fällt für mich nicht unter besonderes Gefahrengut.
Anders verhält es sich mit dem Zusatz Lithium-Hydroxid. Dieses Material ist sehr ätzend und noch dazu giftig. Es zählt zum Gefahrengut. Die Hersteller schreiben den Einsatz von Lithium-Hydroxid aber vor, weil es die Gasung (Wasserstoff wird frei), die bei jeden Ladevorgang des NiFe-Akkus auftritt, verringert und damit auch die Leistungsfähigkeit der Zelle erhöht. Bei tieferen Temperaturen (< -10°) muss der Anteil an Lithium-Hydroxid sogar erhöht werden. Bei unseren Kursk-NiFe-Akkus (300Ah) beträgt der Anteil 20g/1000ml Elektrolyt. Das sind pro Zelle ca. 100g, bei einer 12V-Bank ca. 1kg.
1kg Lithium-Hydroxid, das bei einem Elektrolytwechsel entsorgt wird. Ob es je wiederverwertet wird ist fraglich.
Spinnt man den Gedanken zu den Lithium Akkus (zB. den Lithium Eisen Phosphat Akkus) weiter, dann kann man erkennen, dass das Lithium in diesen Akkus, weil es sehr teuer und gefragt ist, sicher zu 100% zurückgewonnen wird. Die LiFePo4-Akkus, die eine Zyklenfestigkeit von je nach Entladetiefe von 2000 bis 7000 Zyklen haben, werden dadurch aus Sicht der Umweltverträglichkeit und auch wegen der fallenden Preise immer interessanter.
Ich muss natürlich erwähnen, dass früher kein Lithium-Hydroxid in den NiFe-Akkus war und sie haben auch gut funktioniert. Ich persönlich würde es auch nicht, wie einige unserer Interessenten auch, in den Elektrolyten geben. Die Auswirkungen kann man sich vorstellen. Nicht die Leistungsfähigkeit ist das Problem, sondern die Garantie!

Herstellergarantie

Sowohl Kursk als auch Changhong geben natürlich eine Herstellergarantie auf ihre NiFe-Akkus. Eine gewisse Zeit für den unbenutzten Akku und danach noch etwas für den in Betrieb genommenen. Wie schon erwähnt, fällt der 2. Teil der Garantie weg, wenn man nicht wie vorgeschrieben Lithium-Hydroxid als Zusatzstoff dem Elektrolyten beimengt. Wir als Verkäufer der Kursker NiFe-Akkus verkaufen die Akkus trocken, haben also keinen Einfluss auf den Elektrolyten, den sie in ihre Akkus füllen. Daher werden Garantiefälle in der Praxis kaum zum Tragen kommen. Ein Ausweg wäre das Befüllen der Akkus unsererseits, aber dafür fehlen uns zur Zeit Möglichkeiten, und wir verkaufen die NiFe-Akkus nur als unbefüllte noch nicht einsatzfähige Akkus.
Der Hersteller Kursk stellt seine Akkus allgemein für bestimmte Einsatzzwecke her. Im Fall des NiFe-Akkus sind  das Starterbatterien für Loks, Stromversorgung für Eisenbahnen und als Antriebsbatterie für schwere Untertageschlepper.
Der Einsatz als Energiespeicher für Sonnenstrom ist hier nicht vorgesehen und wird in dem Fall auch eine Garantieverletzung zur Folge haben. Das bedeutet, dass alle, die sich NiFe-Akkus in ihren Keller stellen um Photovoltaikstrom zu speichern, keinen Anspruch auf Garantie im Fall des Versagen von Akkuzellen haben.
Auch eine Erfahrung, die etwas Schatten auf den hochgelobten Nickel Eisen Akku wirft.

Ladetechnik für den NiFe-Akku

Interessanter NiFe-Akkus auf der einen Seite, aber wie lade ich den auf?
Der Hersteller Kursk gibt die Konstantspannungs-Methode zum Laden ihrer NiFe-Akkus an (Siehe ZWV-Website – NiFe-Akku). Doch es muss auch Ladegeräte mit einer ordentlichen Ladekennlinie für NiFe-Akkus geben. Ein NiFe-Akku-Ladegerät findet man nicht so einfach. Aber nach langer Suche bin ich auf ein Solarladegerät gestoßen, das auch für NiFe-Akkus geeignet ist. Das TOYO-MPPT-12-24V-40A hat einen Batterietypwahlschalter und in der letzten Einstellung (9) ist eindeutig von einer nickel eisenhaltigen alkalischen Batterie die Rede und das ist der NiFe-Akkus schließlich. Die voreingestellten Spannungen passen ebenfalls genau. Der TOYO-MPPT-12-24V-40A soll baugleich mit dem VICTRON BlueSolar-MPPT-12-24V-40A sein. Eine Anfrage bei Victron hat ergeben, dass die meisten Ladegeräte und Ladegeräte/Wechselrichter dieser Firma frei programmierbar und daher für NiFe-Akkus geeignet sind. Da es sicher von anderen Herstellern auch ähnliche Geräte gibt, ist zumindest das Ladeproblem gelöst.

Noch ein paar Zeilen zu den Ladeeigenschaften der NiFe-Akkus:
Die Ladespannung bei NiFe-Akkus wird mit ungefähr 1,45 – 1,60V angegeben. Je höher die Ladespannung ist, desto höher fällt auch die Gasung aus. Es wird mehr Wasserstoff freigesetzt. Verzichtet man auf die Zugabe von Lithium, dann ist dieser Wert noch einmal höher. Es muss also öfter und mehr destilliertes Wasser nachgefüllt werden.
Empfohlen wird zum Laden der NiFe-Akkus unbedingt ein Ladegerät mit MPPT-Technologie (Maximum Power Point Tracking), was die Effizienz um gut 20-30%  steigert.
Empfohlen wird je nach Belastung und Zustand des Elektrolyten ein Wechsel desselben alle 5-10 Jahre.

Vor Kurzem ist mir aus von einem NiFe-Akku-Benutzer zu Ohren gekommen, dass die NiFe-Akkus im Betrieb (eine große 48V-Bank) eine recht große Geräuschkulisse produziert. Das Zischen und Blubbern soll so laut sein, dass man im selben Raum mit den Akkus Ohrenschützer benötigt. Diese Eigenschaften der NiFe-Akkus sind auch mir neu, aber eben ein Zeichen, dass es fast keine Praxiserfahrungen gibt. Und dieses Problem wurde noch gar nicht angesprochen.

Fazit

Meine ganz persönliche Meinung, wenn es darum geht einen Energiespeicher für eine häusliche Photovoltaikanlage zu suchen, ist, wenn man das zuvor Gesagte ernst nimmt, dass  der Nickel Eisen Akku viel von seiner Faszination verloren hat. Meine Tendenz geht ganz eindeutig weg vom NiFe-Akku. Ein kleines Rechenbeispiel zum Schluss:
Wenn eine Akkubank täglich geladen und entladen wird, sind das 365 Zyklen jährlich. Also wenn ein Lithium-Akku bei 60% Entladung 6000 Zyklen hält, dann sind das schon 18 Jahre Lebensdauer. Bei 50% sogar noch mehr! Und man muss bedenken, dass man hierbei keinen zusätzlichen Aufwand und Kosten hat. Er braucht allerdings ein gutes Batterie Management System und das kostet auch noch etwas. Das will ich hier nicht verschweigen.
Ein guter Bleiakku der bei 30% Entladung ca. 4000 Zyklen hält ist auch eine Überlegung wert. Das sind auch 12 Jahre Lebenserwartung. Die Ladetechnik ist ausgereift und in der Elektronik der Anlage integriert, sodass man keine weiteren Ausgaben befürchten muss.

Gerald Harbusch 2013

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5 Responses to “Der Nickel Eisen Akkumulator – Wunsch und Wahrheit”


  1. 1 k.w. 7. März 2014 um 12:02 am

    danke für die infos.baue nife akku in mein segelboot mit solarpa@elen ein.bisner 3mal 100 a bleiakku ,neu 24 v 220a nife akku.

  2. 2 Manuel Albers 20. April 2014 um 2:15 pm

    Habe gerade unsere Inselanage in betrieb benommen . Die Leistung ist bei 24 v 1,6 kw . Als Akku nehmen wir Nife akkus 700 ah. Wir hoffen das sie auch so lange halten wie beschrieben gruss M.Albers

  3. 3 Manuel Albers 21. Juli 2014 um 10:26 pm

    Unsere Anlage läuft nun 2 1/2 Monate und hat nun 20980 Ah ein genommen. Beim laden ist doch ein deutliches blubbern zu hören. Man sollte auch aufpassen beim flexen wo die Funken hin fliegen da sich das knallgas doch schnell entzündet 🙂

  4. 4 puma 14. September 2014 um 10:03 am

    Hallo Torsten, aufmerksam habe ich deine Antwort hier gelesen! DAnke dafür. Ich befasse mich gerade mit autarken möglichkeiten der Energiespeicherung und kam über eine Firma emowa überhaupt auf die NiFe Akkus. Du schreibst von „auf den MArkt kommen“ … Hast du da kontakte, oder bist du selbst in einem Betrieb tätig, die soetwas vertreiben? Könnte ja sein 🙂
    Danke und
    mfG
    Andreas Fuchs (andifuchs@arcor.de)

  5. 5 Manuel Albers 16. Oktober 2014 um 3:48 pm

    Bei der Nutzung der Nife Akkus ist uns aufgefallen das der Wartungs aufwand doch relativ hoch ist. Man muss doch einmal in Monat den Laugenstand in den Akkus kontrollieren. Bei uns hat sich gezeigt das in einem Monat ca. pro Akku 1/2 Liter nach gefüllt werden muss. Bei 20 Akkus ist das schon ein Aufwand. Geladen werden die Akkus mit einer Spannung von 32 V und ein Strom von maximal mit 70 A. Wir speisen über ein Wechselrichter in unsere Hausverteilung ein . ( alle geräte unter 2000 W ) Alles was drüber ist läuft über das öffendliche Netz. Rechnerisch sollten wir 5 Tage ohne Ertrag auskommen . Wir verbrauchen ca.3 kWh am Tag über die Solaranlage.


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